BalouATm   Es gibt viele Katzen, die ihr Leben als reine Wohnungskatzen verbringen und sogar Angst haben, die Schwelle der Wohnungstür zu überschreiten. Die Neugier nach dem, was sich "da draußen" abspielt, ist ihnen jedoch geblieben. Nicht umsonst gehören Fensterbretter, Balkonbrüstungen und Hausdächer zu den Lieblingsplätzen der Stubentiger. Sie balancieren geschickt auf dem schmalsten Sims, um die beste Aussicht zu haben. Versteinert sitzen sie dann da und starren gebannt auf das, was da unten vor sich geht. Ein gefährliches Spiel.

"Da sitzt sie doch schon immer..."

Zugegeben, es gibt Katzen, denen dabei Jahre lang oder nie etwas passiert. Wie sonst auch im Leben sind es jedoch häufig die dummen Zufälle, die doch eines Tages einen Absturz verursachen. So erzählte ein Katzenbesitzer, der vom Zigarettenholen kommend den Sturz seiner Katze mit ansehen musste: “Der Nachbar ließ sein Rollo direkt am Nebenfenster runterkrachen. Durch den Schreck ist sie zusammengezuckt und dabei vom Fensterbrett gerutscht.” In anderen Fällen ist es ein nahe vorbeifliegender Vogel oder ein Schmetterling, der die Katze zu einer abrupten Bewegung veranlasst und dadurch aus dem Gleichgewicht bringt. Auch der eine oder andere Balkonkasten löste sich schon aus seiner Verankerung, als die gut genährte Katze auf ihn sprang.

Vom Schreck bis zum Tod

Ebenso vielfältig wie die Sturzursache sind die möglichen Folgen. Zu den entscheidenden Faktoren gehören dabei die Sturzhöhe und der Untergrund, auf den die Katze auftrifft. Im Gegensatz zum Hund dreht sich die Katze während des Falls um ihr Längsachse, so dass sie auf den Pfoten landet. Aus diesem Grund kann ein Sturz mit einem großen Schrecken für sie oder mit glimpflicheren Verletzungen (Abschürfungen, Prellungen, Brüche im Bereich der Vorderpfoten) ausgehen. Bei einem Sturz aus größerer Höhe ist die Wucht des Aufpralls jedoch so hoch, dass die Katze ihn nicht abfangen kann. Dies gilt besonders bei hartem Untergrund wie Stein oder Beton. Zu den dabei auftretenden Blessuren zählen mehrfache Brüche der langen Gliedmaßen- und der Schädelknochen (vor allem im Bereich der Kiefer, Gaumenspalte; siehe Foto) und stumpfe Verletzungen innerer Organe, die den sofortigen Tod des Unfallopfers zur Folge haben können.

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 Blick in die Maulhöhle einer Katze nach Fenstersturz:
Gaumenspalte, Oberkiefer- und Unterkieferbruch

Akute Atemnot kommt bei einer gestürzten Katze häufig vor und beruht auf Verletzungen im Brustkorbbereich wie Lungenblutung, Lungenriss mit Austritt von Luft in den Brustkorb (sog. Pneumothorax) oder Zwerchfellriss. Unter Umständen weist ein gefallenes Tier keine oder nur unauffällige Symptome auf, so dass mancher Katzenbesitzer einen Tierarztbesuch nicht für notwendig hält. Dass die Folgen eines Sturzes erst lange nach dem Ereignis offensichtlich werden können, zeigt der Fall des Katers Mick.

Verspätete Unfallfolgen

Mick ist ein aufgeweckter eineinhalbjähriger Kater. Seinen Besitzern fiel seit einigen Wochen auf, dass er sporadisch hustete, ohne jedoch einen kranken Eindruck zu machen. Sein Appetit war gut, allerdings fraß er immer nur kleine Portionen, so dass er deutlich leichter war als seine Schwester. Auch im Spiel der beiden konnte er nicht mehr mithalten. Nach einiger Zeit legte er sich bereits schwer atmend hin und atmete schließlich auch in Ruhe deutlich verstärkt. Dieses Verhalten war Grund für den Tierarztbesuch. Schon die allgemeine Untersuchung ließ auffällige Befunde erkennen. Beim Abhören waren die üblicherweise links am deutlichsten vernehmbaren Herztöne kaum auszumachen, ebenso wenig die normalen Atemgeräusche. Das Abklopfen des Brustkorbs ergab links einen gedämpften Schall. Bei einem gesunden Tier hört man aufgrund der Luft in der Lunge einen hohlen Schall. (Mit dem gleichen Prinzip kann man zum Beispiel durch das Klopfen auf ein Fass feststellen, ob es gefüllt oder leer ist.) Ein Röntgenbild brachte die Diagnose: Mick hatte einen Zwerchfellriss. Erst jetzt erinnerten sich seine Besitzer daran, dass er ein halbes Jahr zuvor aus dem dritten Stock gefallen war, den Sturz ihrer Meinung nach jedoch unbeschadet überstanden hatte.

Das Zwerchfell trennt Brust- und Bauchhöhle voneinander. Wenn es gerissen ist, können Organe aus dem Bauchraum in die Brusthöhle vorfallen. Bei nur kleinen Rissen handelt es sich dabei meist um den Dünndarm, während über größere Öffnungen auch Teile der direkt dem Zwerchfell anliegenden Leber oder der Magen in die Brusthöhle gelangen. Durch die Bauchhöhlenorgane wird die weich-elastische Lunge stark eingeengt und kann sich bei der Einatmung nicht mehr (voll) entfalten. Das Tier hat Atemnot und ist durch den Sauerstoffmangel bei Anstrengung nicht mehr belastbar. Eingeklemmte Bauchhöhlenorgane können zu weiteren Komplikationen führen (z.B. Darmverschluss). Ein Zwerchfellriss muss operativ versorgt werden. Bis zum vollständigen Verschluss  des Risses ist während der Operation eine künstliche Beatmung des Patienten erforderlich.

Wie funktioniert die Atmung?

 
Die Brusthöhle ist - ebenso wie die Bauchhöhle - ein abgeschlossener Raum (Vakuum). In ihm liegt die für die Atmung zuständige Lunge. Bei der Einatmung wird der Brustkorb  mit Hilfe der Atemmuskulatur erweitert. Der wichtigste Muskel ist dabei das kuppelförmig in den Brustraum ragende Zwerchfell, das sich bei der Einatmung abflacht. Unterstützt wird es durch die Zwischenrippenmuskeln, die die Rippen anheben. Mit Hilfe dieser Muskelbewegungen wird der Brustraum vergrößert, es entsteht ein Unterdruck, wodurch Luft in die Lunge strömt. Bei der Ausatmung erschlaffen die Muskeln, das Brustvolumen verkleinert sich wieder und die Luft wird aus der Lunge gepresst.
Bei einem Zwerchfellriss ist dieses in seiner Funktion beeinträchtigt und zudem der gesamte Mechanismus der Atmung gestört. Da Brust- und Bauchhöhle nun miteinander in Verbindung stehen, kann nur ein geringerer Unterdruck erzeugt werden und es strömt weniger Luft in die Lunge. Öffnet man bei der Operation des Zwerchfelles die Bauchhöhle, gelangt Luft hinein und das Vakuum in Brust- und Bauchhöhle wird aufgehoben. Die Lunge fällt dadurch in sich zusammen und eine Atmung ist überhaupt nicht mehr möglich. Der Patient muss deshalb künstlich beatmet werden.

Vorbeugen ist besser als heilen

Jeder Katzenbesitzer, der einmal eine schwer verletzte, aus dem Maul blutende und um Luft ringende Katze nach so einem Sturz gesehen hat, wird schnellstens Vorkehrungsmaßnahmen treffen, um einen derartigen Unfall bei seinem Tier zu verhindern. Im Fachhandel sind feine, aber reißfeste Netze erhältlich, die sich zum Teil mit einfachen Mechanismen an Fenstern und Balkonen anbringen lassen. Wer ein bisschen handwerkliches Geschick hat, kann auch selbst zum Werkzeug greifen.

Dr. med. vet. Gisela Jöhnssen
Quelle: Lebendige Tierwelt 2/2000, Hrsg. Bundesverband Praktischer Tierärzte e.V.
© Foto: Tierärztliche Hochschule Hannover / Meyer-Lindenberg

Buchtipp:

NotfällebeiKatzen

"Notfälle bei Katzen"
von Dr. Michael Streicher

Was vom Titel her zunächst nach einem der typischen (zumeist eher wenig fundierten) Ratgeber zur medizinischen Erstversorgung klingt, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein hervorragender Überblick über die bei der Katze am häufigsten vorkommenden medizinischen Notfälle lebensbedrohlicher Art.
Wer sich mit Katzen auskennt, weiß, dass sie von Natur aus große Meister darin sind, Krankheit und Schwäche zu verbergen. So bemerkt der Halter oft erst im fortgeschrittenen Stadium einer Erkrankung, dass etwas mit seinem Tier nicht stimmt, und erkennt dabei unter Umständen nicht, dass das Tier sich bereits in einem akuten oder gar lebensbedrohlichem Zustand befindet. Die Kenntnis über katzentypische schwerwiegende Erkrankungen und deren erste Anzeichen gibt dem Halter somit im Ernstfall einen entscheidenden Vorsprung und kann Leben retten!
Als Fachtierarzt und Betreiber einer auf Katzen spezialisierten Praxis sieht sich der Autor in der täglichen Arbeit mit Katzennotfällen aller Art konfrontiert. So finden wir neben den üblichen Ratgeberthemen (Unfall, Vergiftung, Insektenstich, Kippfenstersyndrom) in diesem Buch wertvolle Informationen zu all jenen häufig auftretenden Erkrankungen, die andere Gesundheitsratgeber trotz aller Relevanz vermissen lassen: Harnröhrenverschluss, akutes Nierenversagen, Hepatische Lipidose, akute Pankreatitis, Darmverschluss, Asthma, Diabetes, Aortenthrombose, Krampfanfälle, Hämolytische Anämie.
Werden die Symptome dieser Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann unter Umständen bereits innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen der Tod eintreten! Ich selbst habe leider die meisten der im Ratgeber aufgeführten Notfälle bereits bei meinen eigenen Tieren erlebt. Und in jedem einzelnen Fall hat mir das vorherige Wissen um die ersten Anzeichen und deren Tragweite wertvolle Zeit verschafft, um sofort für die notwendige Behandlung zu sorgen. Zudem konnte ich manch “lückenhaftes” Vorgehen des jeweils behandelnden Tierarztes überprüfen und weitere Maßnahmen einfordern. Aus dieser Erfahrung heraus ist der Ratgeber von Dr. Streicher meines Erachtens ein absolutes Must-have für jeden Katzenhaushalt!
In leicht verständlicher Weise erfährt der Leser zunächst, wie er die regulären Körperfunktionen seiner Katze überprüfen kann, wie die Begriffe gesund, krank und Notfall genau zu definieren und zu erkennen sind, welches Verhalten eine Katze im jeweiligen Zustand an den Tag legt und wohin man sich im Ernstfall wenden sollte.
Bei der anschließenden ausführlichen Betrachtung der vorgenannten Notfallsituationen geht es nicht um Tipps zur Selbsthilfe, sondern vielmehr um Aufklärung über die Tragweite der jeweiligen Erkrankung und die sich daraus als notwendig ergebenden tierärztlichen Sofortmaßnahmen.
Wer sich also auf mögliche Notfälle im Leben seiner Katze vorbereiten möchte, sollte sich dieses Buch unbedingt zulegen!

(Broschierte Ausgabe, 128 Seiten, 2013, antheon, ISBN 3944431006, 16,95 EUR)

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Buchtipps zum Thema Katzenkrankheiten allgemein:
Ratgeber zur Katzengesundheit
Fachliteratur Katzenmedizin

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