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Hallo, ich bin Bonita, ein echter “Wildling”, wie die Dosine als Katzenschützerin uns Katzen nennt, die draußen von wild lebenden Katzenmüttern geboren werden und nicht handzahm sind. Na ja, vielleicht sollte ich eher “war” sagen, denn inzwischen bin ich ein absoluter Schmusetiger geworden. Aber damals, als Dosine mich das erste Mal sah, als sie gebeten wurde, eine Kastrationsaktion durchzuführen, da stand ich scheu und voller Angst in den Büschen, und hätte mich nie im Leben anfassen lassen.

Ich hab immer drauf geachtet, reichlich Abstand zwischen ihr und mir zu lassen. Ich hab mich auch nicht wie die anderen Katzen auf dem Grundstück am mitgebrachten Futter bedient, solange Dosine auf dem Grundstück war. Ich hab gewartet, bis sie wieder auf der Straße war, dann hab ich mir geholt, was übrig war. Erst nach vielen, vielen Wochen, in denen sie jeden Tag nach der Arbeit zu uns an die Futterstelle kam, war ich bereit, in ihrer Anwesenheit zu essen - aber immer sehr, sehr vorsichtig und ängstlich.

Während Dosine stundenlang mit den anderen Katzen spielte, die sich längst von ihr anfassen ließen, beobachtete ich oft noch immer alles aus sicherem Abstand. Dosine hatte bereits 11 der ursprünglich 21 Katzen von dem Grundstück vermittelt (nämlich alle Babys und alle, die bereits richtig handzahm geworden waren), als der Herbst mit einer massiven Kälte einbrach. Sie beschloss, 6 von den verbliebenen Katzen mit nach Hause zu nehmen, weil sie sich sicher war, dass sie sie noch richtig zahm bekommen würde (sie ließen sich alle bereits bedingt anfassen). Drei ältere Katzen (darunter meine Mama) würden definitiv nie handzahm werden, das wußte sie, und bei mir hatte sie sehr große Zweifel, ob sie mir nicht einen größeren Gefallen täte, mich bei den anderen zu lassen.

Sie hatte es eigentlich schon beschlossen, als ich ihr eines Tages mit einem verletzten Beinchen entgegen hinkte. Sie fing mich mit einer Katzenfalle ein und brachte mich in die Klinik, wo ich sediert, geröntgt und auch gleich kastriert wurde. Aber man konnte nicht wirklich etwas feststellen, vermutete eine Gelenkentzündung, verabreichte mir ein Antibiotikum und meinte, das würde schon wieder... Das war Dosine zu vage und so beschloss sie, mich doch erst einmal mit heim zu nehmen, um die Sache unter Beobachtung zu halten. Sie holte noch schnell meine Freundin Kimmy an der Futterstelle ab und so zogen wir beide in den Quarantäneraum ein, damit mein Beinchen unter Beobachtung stand. Durch Kimmys Zutraun gewann dann entgegen Dosines Annahme auch ich sehr schnell Vertrauen und hielt Dosine bereits nach wenigen Tagen mein Bäuchlein bzw. meine Kastrationsnarbe zum Streicheln hin. In dem Moment fiel die Entscheidung, mich nicht wieder “auszuwildern”.

So saßen wir einige Zeit später, nachdem wir alle paarweise die Quarantäne durchlaufen hatten, dann zu siebt im eigens für uns ausgebauten Pflegezimmer. Ja wirklich, der Raum sollte eigentlich irgendwann mal ein Fitness-Raum werden, aber nun wurde er für uns gebraucht, und Gerd hat extra für unsere Zähmung und Unterbringung bis zur Vermittlung rasch den Boden gefliest und die Wände verkleidet. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei ihm bedanken! Dort hatten wir viel Spaß, wir waren eine außergewöhnlich soziale Familie, hatten nie Ärger miteinander.  Nach und nach wurden wir dann immer weniger, weil einer nach dem anderen ein liebevolles Zuhause fand. Aber immer wenn Leute kamen, die uns ansehen wollten, bekam ich die absolute Panik und verkroch mich, obwohl ich bei Dosine schon totaaaaal schmusig war. Na ja, und da in dieser Zeit Sammy starb, beschlossen Gerd und Birgit, dass ich hier bleiben durfte, als die anderen vermittelt waren.

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Tja, und so kam der Tag, an dem die letzten meiner “Familienmitglieder” auszogen und ich das Pflegezimmer verlassen und zu den anderen Katzen im Haus durfte. Ich sag Euch, ich war völlig durch den Wind! Ich wollte nicht aus dem Zimmer, hab mich immerzu unter einer Wolldecke verkrochen und gewimmert. Dosine hat mich dann immer vorsichtig nach oben getragen, aber ich hatte so Angst vor den neuen Räumen und den anderen Katzen, dass ich immer sofort wieder runter rannte, sobald sie mich los ließ. So kamen die anderen Katzen immer mal zu mir runter, was mir zwar auch nicht gefiel, aber wenigstens hatte ich dann “Heimvorteil”.

Na ja, irgendwann verstand ich, dass mir keiner was tun wollte und die Neugier siegte über die Angst. Ich begann das Haus zu erkunden. Zunächst beschränkte ich mich auf das Erdgeschoss, dann ging ich vorsichtig mal ins Obergeschoss, und laaange Zeit später guckte ich auch mal zaghaft ins Büro ganz oben im Dachgeschoss.

Ich bin noch immer sehr vorsichtig, verstecke mich, wenn es klingelt und Besuch kommt, und lasse mich auch nicht auf den Arm nehmen. Aber dennoch bin ich hier der Oberschmuser geworden, denn Kuscheln tu ich für mein Leben gern!! Ich kuller mich dann auf den Rücken und halte mein Bäuchlein zum Kraulen hin. Besonders gern kuschele ich bei Gerd auf dem Schoß. Das ist mein absoluter Lieblingsplatz.

Tja, nun lebe ich schon seit ein paar Jahren hier, und bin froh, dass ich nicht mehr da draußen auf dem Gelände in den Büschen leben muss, wo Dosine mich gefunden hat. Hätte selbst nicht gedacht, mal so häuslich zu werden, aber muss gestehen, es hat wirklich Vorteile. Ach ja, da fällt mich ein, dass ich Euch gar nicht erzählt habe, was aus den anderen auf dem damaligen Grundstück geworden ist... Also, das Grundstück wurde vom Katzenschutz angepachtet, so dass die drei älteren und scheuen Katzen dort ungestört weiter leben durften und versorgt werden konnten. Leider ist meine Mama dann zwei Jahre später spurlos verschwunden (sie haben überall nach ihr gesucht, aber keinen Hinweis bekommen). Aber die anderen beiden (ein Pärchen) leben noch dort. Selbstverständlich wurden sie (wie alle anderen auch) damals kastriert, damit nicht wieder eine Kolonie aus ihnen wird ;-) Sie lassen sich natürlich noch immer nicht anfassen. Aber sie sind schon etwas zutraulicher geworden und werden von zwei älteren Damen ganz liebevoll täglich mit Futter (und im Winter mit Wärmflaschen in ihrer Hütte) versorgt.

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Inzwischen haben unsere Menschen uns ja zum Glück auch den Garten abgesichert, so dass ich wieder die Sonne, frische Luft und das Gras genießen kann! Ich liebe den Garten! Gerd hat mir eine Aussichtsplattform im Baum gebaut, von wo aus ich sicher alles beobachten kann. Das ist mein Lieblingsplatz dort draußen. Wenn es nicht zu heiß oder zu nass ist, dann genieße ich es, draußen zu dösen...

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...oder auch herumzutoben, Mücken zu fangen, Vögel zu beobachten, die Baumstämme zu malträtieren oder sonstigen Unfug zu betreiben ;-) Tja, das alles hätte wohl niemand für möglich gehalten, der mich damals in den Büschen des verwilderten Gartens erlebt hätte...

Eure Bonita



(Letzte Änderung dieser Seite: 23 Juli, 2015)


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