Von Dr. Astrid Heinl, Aschenheim, © “Our Cats”

Haarausfall (Alopezie) kann - wie fast alle Erkrankungen - verschiedene Ursachen haben. So z.B. die endokrine Alopezie, d.h. der Haarausfall ist hormonell bedingt, etwa aufgrund eines Defizites oder fehlenden Gleichgewichtes in der Produktion von Geschlechtshormonen. Die frühere Annahme, der Haarausfall sei durch eine Unterfunktion der Schilddrüse bedingt, konnte nicht bestätigt werden. Möglicherweise begünstigt die sehr frühe Kastration noch nicht ausgewachsener Katzen das Auftreten der endokrinen Alopezie.

Diese Krankheit tritt nur bei kastrierten Katzen auf, überwiegend bei männlichen Tieren. Das klinische Bild - symmetrischer Haarausfall an prädisponierten Stellen - erlaubt eine relativ einfache Diagnose. Typischerweise beginnt der Haarausfall beidseits und symmetrisch in der Gegend der Geschlechtsorgane und an der Hinterseite der Oberschenkel. Während das Fell deutlich dünner wird und sich die Haare leicht ausziehen lassen, werden äußerlich erkennbare Veränderungen der Haut nur selten festgestellt. Später können auch die Innenseite der Oberschenkel und die Bauchunterseite davon betroffen sein. Der Haarausfall kann sich auch am Schwanzansatz und in chronischen Fällen seitlich an der Brustwand sowie an der Innenseite der Vordergliedmaßen zeigen. Juckreiz besteht nur ausnahmsweise; manchmal sind jedoch ein ausgeprägter Leckreiz und sekundäre Hautveränderungen vorhanden.

Das Erscheinungsbild sowie die Tatsache, daß es sich um eine kastrierte Katze handelt, erleichtern die Diagnosestellung. Auch die Therapie gestaltet sich in den meisten Fällen als erfolgreich. Den betroffenen Katzen werden die unzureichend vorhandenen Hormone alle 4 bis 6 Wochen in Form einer Depotspritze injiziert. Es ist aber auch möglich (und genauso wirksam), den Tieren jeden zweiten Tag bis zum Nachwachsen der Haare Tabletten zu verabreichen. Anschließend erhalten die Katzen über einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen zweimal wöchentlich eine Erhaltungsdosis. Gegebenenfalls ist es erforderlich, die Hormone kontinuierlich einmal pro Woche zuzuführen. Es ist zu berücksichtigen, daß die Anwendung von Hormonen nicht immer frei von Nebenwirkungen ist. So können zeitweise ein “Spritzen” bei Katern und ein unangenehmer Geruch des Urins auftreten bzw. bei weiblichen Tieren Symptome der Rolligkeit. Darüber hinaus kann es zu Gewichtszunahme und psychischen Veränderungen kommen (die Tiere wirken etwas gedämpft). Gelegentlich zeigt sich eine übermäßige Aufnahme von Wasser oder eine Anbildung des Gesäugekomplexes. Insgesamt gilt eben auch hier: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Der Erfolg der Therapie überwiegt jedoch bei weitem; die unerwünschten Begleiterscheinungen werden in der Praxis selten nachgewiesen.

Davon abzugrenzen ist die psychogen bedingte Alopezie, die sich in zwei Erscheinungsformen darstellt. Durch intensives Lecken an befallenen Stellen erscheint die Haut haarlos, gerötet, feucht oder auch ulzeriert. Alle mit der Zunge gut erreichbaren Körperpartien kommen dabei in Frage.

Daneben existiert eine weitere Form der Alopezie, bei der sich die Katzen zwar auch ausgiebig lecken und ihr Fell intensiv pflegen, die Haut jedoch weniger gereizt wird. Bevorzugte Leckobjekte sind in diesem Fall Rücken, Kruppe, Genital- und Perianalgegend, Unterbauch und Oberschenkel. Der extreme Leckreiz wird häufig als Juckreiz ausgelegt. Katzen jeden Alters und jeder Rasse können daran erkranken. Für die Diagnose ist der Bericht des Katzenbesitzers (ausgeprägter Leckreiz an bestimmten Körperstellen) entscheidend. Auch Hautveränderungen   und abgebrochene Haare sichern den Befund. Eine Pilzerkrankung, die durch ähnliche klinische Symptome gekennzeichnet ist, muß labordiagnostisch ausgeschlossen werden. Die psychogen bedingte Alopezie ähnelt im klinischen Bild der endokrinen Alopezie, bei letzterer können jedoch, wie bereits oben erwähnt, die Haare leicht entfernt werden. Die psychische Alopezie spricht weder auf die Therapie mit Kortison an noch auf die hormonelle Behandlung.

Für eine optimale Therapie steht die Suche nach der Ursache dieser Zwangsneurose im Vordergrund. Psychische Störungen kommen bei Katzen nicht selten vor. Eine Veränderung in der Umgebung, z.B. durch Umzug, zählt ebenso dazu wie Familienzuwachs (Eifersucht!) oder fremde Katzen, die das Revier streitig machen wollen.

Ein Halskragen kann die Katzen rein mechanisch am Lecken hindern; die meisten Samtpfoten lehnen diesen jedoch kategorisch ab und reagieren extrem hysterisch auf diesen “Fremdkörper”, so daß dieser höchstens als zusätzlicher Stressor die Situation nur noch verschlimmert. Zentral dämpfende Medikamente können zumindest zeitweise hilfreich sein (z.B. Valium) oder auch die Injektion von Depothormonen zwei Wochen lang mit anschließender ausschleichender Erhaltungsdosis.

Eine endgültige Heilung dieser Zwangsneurose ist nur dann möglich, wenn die eigentliche Ursache abgestellt werden kann, aber gerade psychische Ursachen sind meist nicht einfach zu ermitteln, so daß viel Geduld aufgebracht werden muß.

Buchtipp zum Thema:

“Allergische Hauterkrankungen bei Hund und Katze”
von Ludo Reedy/Miller/Willemse

Nahrungsmittelintoleranzen, Kontaktallergien oder parasitär bedingte Überempfindlichkeiten sind Problemthemen in jeder Hautsprechstunde. Mit diesem Buch wird ein detaillierter Überblick über die wichtigsten Hauterkrankungen mit allergischer Ätiologie bei Hund und Katze gegeben. Der praxisorientierte Leitfaden begleitet schrittweise bei Diagnostik und Therapie allergischer Hauterkrankungen und vermittelt wissenschaftliche Erkenntnisse über Flohbissallergien, symptomatische Pharmakotherapie, Immuntherapie oder Serumtests sowie unterschiedliche klinische Erfahrungen.
Aus dem Inhalt:
- Urtikaria
- Aeroallergene und Aerobiologie
- Allergietests
- Immuntherapie
- Medikamentöse Behandlung
- Allergische Kontaktdermatitis
-Hypersensibilität gegen Arthropoden
- Verschiedene allergische Erkrankungen

(Gebundene Ausgabe, 260 Seiten, Schlütersche Verlag, ISBN 3877065899, 52,00 EUR)

“Klinische Dermatologie Hund & Katze” von Tom Wilemsen

Dieser Leitfaden für Diagnostik und Therapie von Hauterkrankungen bei Hund und Katze liegt derzeit in 2. überarbeiteter und erweiterter Auflage vor. Er trägt der Tatsache Rechnung, dass rund 30 bis 40% der in der beim Tierarzt vorgestellten Hunde und Katzen unter Hauterkrankungen leiden, die ursächlich z.B. parasitärer, allergischer, bakterieller, infektiöser, endokriner oder auch tumoröser Natur sein können. Intensive Forschungen auf diesem Gebiet haben in den vergangenen Jahren die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten deutlich verbessert. Hierauf basierend informiert dieses Nachschlagewerk schnell und anschaulich über Klinik und Symptomatik der einzelnen Krankheiten.

(Gebundene, großformatige Ausgabe, 144 Seiten, Schattauer Verlag, ISBN 3794517237, 89,00 EUR)



“Krankheiten der Katze” von den Professoren Horzinek, Schmidt u. Lutz

Eines der beiden zweifellos umfassendsten und empfehlenswertesten veterinärmedizinischen Nachschlagewerke im Hinblick auf die Katzengesundheit ist die 4. überarbeitete Auflage von “Krankheiten der Katze”, deren Hauptautoren die renommierten Professoren Marian C. Horzinek, Hans Lutz und Vera Schmidt sind. Die dritte Auflage erschien 2003 und erfreute sich so großer Nachfrage, dass bereits zwei Jahre später eine 4. Auflage anstand, die somit auch gleich den neusten medizinischen Kenntnissen angepasst werden konnte.
Gemeinsam mit unzähligen anderen anerkannten Spezialisten haben sie die Erfahrungen vieler Kliniken im In- und Ausland zusammengetragen, welche auf allen Teilgebieten der Katzenmedizin das ganze Spektrum des Wissens abdecken und aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungstendenzen berücksichtigen. Es werden neue medizinische Wege beschritten, um den Anforderungen der täglichen Praxis gerecht zu werden.
Das breit gefächerte Spektrum (allein das Inhaltsverzeichnis beläuft sich auf 12 Seiten) umfasst Verhaltensstörungen, Ratschläge zur Vorbereitung und Handhabung der Allgemeinuntersuchung, die klinische Labordiagnostik, Röntgen- und Ultraschallbilder, Virusinfektionen und Infektionen bakterieller Art, Mykosen (Pilzbefall), Parasitosen (Parasitenbefall), Erkrankungen von Herz- und Kreislauf, der Atemwege, der Haut, von Mund und Zähnen, des Magen-Darm-Traktes, der Leber, des Pankreas (Bauchspeicheldrüse), der Nieren und Harnwege, der Geschlechtsorgane, des Nervensystems, der Augen, des Blutes, der endokrinen Organe und des Immunsystems. Weiterhin befasst man sich mit Erbkrankheiten, Skelettveränderungen, Traumen, Vergiftungen, Tumoren, Alterskrankheiten, Anästhesie, Chirurgie, Orthopädie, Arzneimitteltherapien/-wirkungen, Energie- und Nährstoffbedarf. Abschließend wird noch ein Blick auf das Management von Haltung und Zucht sowie auf einige Rechtsfragen in bezug auf die Katze geworfen.
Das gesamte Werk ist sehr übersichtlich gegliedert und gestaltet, reich bebildert und sehr angenehm zu lesen. Kurzum: Ein unverzichtbares Nachschlagewerk, das Antworten auf nahezu alle Fragen zur erkrankten Katze liefert! (Leider hat es auch einen dementsprechenden Preis....)

 (Großformatige, gebundene Ausgabe, 880 Seiten, 2005, Enke Verlag, ISBN 3830410492, 149,90 EUR)

 

“Katzen Krankheiten” Band 1 + 2 von W. Kraft, U.M. Dürr und K. Hartmann

Und hier haben wir das zweite der beiden zweifellos umfassendsten und empfehlenswertesten veterinärmedizinischen Nachschlagewerke über die Krankheiten der Katze. Lange musste man auf diese 5. überarbeitete Ausgabe warten, endlich ist sie im Handel und hat gegenüber den früheren Auflagen eine ganz erhebliche Erweiterung erfahren: Sie liegt erstmalig in zwei Bänden vor. Das zeigt nicht nur die erheblichen Erweiterungen, die die einzelnen Kapitel erfuhren, sondern spiegelt auch die geradezu sprunghafte Entwicklung wider, die sich in den letzten Jahren auf allen Gebieten der Kleintiermedizin ergeben haben.
Der Tatsache Rechnung tragend, dass die Katze immer mehr an Beliebtheit gewinnt und verstärkt in der Tierarztpraxis vorgestellt wird, liefern die Autoren eine völlige Neubearbeitung und Aktualisierung dieses Standardwerkes, welches erhebliche Erweiterung erfahren durfte.
Die Themengebiete der 1467 Seiten erstrecken sich von Behandlungstechniken über Endoskopie, Bildgebende Verfahren, Sofortmaßnahmen bei akuten Traumen und Notfällen, Vergiftungen, Infusionstherapie und Sondenernährung, Impfung, virale und bakterielle Infektionskrankheiten, Mykosen, Zoonosen, Parasitosen, Krankheiten des Auges, der Ohren, der Haut, des Bewegungsapparates, der Zähne und des Kiefers, des Kreislaufsystems, des Respirationstrakts, der Verdauungsorgane, der Leber, der Pankreas, der Harnorgane, des Blutes, des Immunsystems und des Nervensystems bis hin zur Gynäkologie, Missbildungen, Stoffwechselstörungen, Alterserkrankungen, Tumoren, Onkologie, Ernährung und Diätetik, Verhaltensprobleme, Chirurgie und sogar Tötung.
Interessant ist hierbei, dass manche Krankheitsbilder in verschiedenen Kapiteln (also von unterschiedlichen Autoren) beschrieben werden, was zur Folge hat, dass unterschiedliche Meinungen zum Ausdruck kommen, was dem Leser ein breiteres Blickfeld eröffnet.
Kurz gesagt: Das Warten hat sich gelohnt, die Fülle ist atemberaubend - wenngleich dieses Werk hinsichtlich des Fachjargons nicht ganz so verständlich für den Laien ist wie das vorgenannte Werk.

 (Gebundene Ausgabe, März 2003, Schaper Verlag, ISBN 3794401999, 168,00 EUR)

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(letzte Änderung dieser Seite: 05 Mai, 2010)


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